Liebliches Mittelmeer

Am Tor zum Mittelmeer
Am Tor zum Mittelmeer

An der Schwelle zum Mittelmeer begrüßt uns „Der Fels“ bei strahlendem Sonnenschein und ruhigem Wetter. Auch wenn oben ein gen Afrika gerichteter Panzer thront, wirkt der spitze Kalksteinwächter am Eingang ins Mittelmeer heute alles andere als bedrohlich. Auch die zahlreichen Dickschiffe ziehen in angenehmer Atmosphäre und gehörigem Abstand an uns vorbei und kein Nebel wird uns die Sicht verschleiern. Das liebliche Mittelmeer zeigt sich also von der gnädigen Seite und gewährt uns einen sanften, friedlichen Empfang. Der Europa Point mit seinen Wahrzeichen, Leuchtturm und Mosche, grüßt uns freundlich und schwups sind wir drin im Alboranmeer und sehen die Costa del Sol weit vor uns ausgebreitet. Ein wirklich erhebendes Gefühl! Ehrlich: Die Segelnden freuen sich über guten Wind. Aber heute ist es uns lieber, dass es etwas ruhiger zugeht. Das Wetterfenster passt.

Unsere erste Station heißt Marina Estopona. Dort haben wir uns angemeldet und werden freundlich empfangen.

Im Urlauberdorf Estopona, wo die Fahnen auch anders herum wehen können

Das Anlegen mit Mooringleinen ist uns zwar aus Griechenland bekannt, aber mit Frodo haben wir dieses Manöver noch nie durchführen müssen. So sind wir über zwei Dinge froh: Der freundliche Marinero, der erst nicht zu finden war, dann aber aus dem Mittagsschlaf gerufen wurde, hilft und wir können mit der Nase zuerst in die „Parklücke“ gehen. Anders würde das mit Frodo einfach nicht funktionieren.

Estopona ist eine farbenfrohe Urlaubermarina und gut geeignet für einen Zwischenstopp. Wir treffen drei weitere Crews unseres Segelvereins Trans Ocean: Die Maitje, die Ulysses und die Greta. Abends, gemütlich beim Inder sitzend, freuen wir uns über den regen Segler-Austausch.

Kein Platz, nirgends

25.10. Mit den ersten Sonnenstrahlen sind auch wir schon wieder draußen und ostwärts unterwegs, erhaschen noch ein paar Schnappschüsse von Ulysses und versuchen zuerst unser Glück in Benalmadena als neuem Anlaufpunkt. Die Dame in der Marinaoffice ist wenig freundlich und äußerst nervös, hat keinen Platz für uns, lässt sich dann aber von Thomas überreden, ein Telefonat mit einer möglichen Ausweichmarina in unserem Namen zu führen, denn wir kommen hier leider ohne Spanischkenntnisse nicht voran… und es klappt, es gibt ein neues Ziel. So legen wir wieder ab und nehmen Kurs auf Caleta de Velez.

Zunächst staunen wir über die wunderschöne Küstenlandschaft mit großen Buchten, hohen Bergen und langen Stränden. Während wir an Malaga vorbei fahren, denken wir an die vielen Starts und Landungen zurück, die Thomas hier absolviert hat. Oben schweben immerzu Flugzeuge herbei, unten tummeln sich Wassersportler und Freizeitfischer. Später müssen wir durch dichten Nebel navigieren, hören von Ferne die tief und dunkel dröhnenden Signalhörner der Dickschiffe und kommen schließlich gerade rechtzeitig am Warteponton in Caleta de Velez an, um uns vor den herannahenden Starkwinden in Sicherheit zu bringen. Am schmutzigen, lauten und übel nach Fisch stinkenden Betonanleger versuchen wir, Frodo mit Fendern gut abzufedern. Die Nacht wird sehr ungemütlich, aber danach, am späten Vormittag, hat die Marinaoffice geöffnet und die zunehmend freundlicher werdende Empfangsdame hat ein Plätzchen für uns. Auf ihrem T–Shirt steht sinngemäß: Enjoy and stay where you are. Das beherzigen wir gern.

Caleta de Velez

Caleta de Velez wird uns ein paar Nächte beherbergen. Wir genießen lange Strandspaziergänge, gehen baden, joggen, fahren mit den Rädern hinauf nach Velez–Malaga und beobachten die Wetterbedingungen.

Am Strand von Torre del Mar finden wir wieder Kunst, die in der Öffentlichkeit ausgestellt ist. Maler, die hier geboren oder ansässig sind, haben die Tradition der bemalten Fliesen aufgegriffen und große Wandbilder gestaltet, die politische Fragen aufwerfen. Ich bin besonders berührt von dem Bild mit einem Mädchen und ihrem Großvater. Auch die Nachahmung des Gemäldes „Die Freiheit führt das Volk an" von Delacroix stimmt mich sehr nachdenklich.

Unterdessen laufen wieder kleinere Bootsarbeiten und am Rande beobachten wir das Treiben zu „Halloween" eher schmunzelnd und milde.

Thomas versucht sich mit großem Erfolg im Spleißen unserer neuen Landleinen, die wir eventuell benötigen, wenn wir vor Anker gehen wollen. Vorerst sind geeignete Ankerplätze aber eher rar und wir müssen uns wohl oder übel von Marina zu Marina hangeln.

„Wohlfühlmarina" Puerto Deportiva del Este

So gelangen wir am 1. November wieder mehr oder weniger unter Motor nach Deportiva del Este. Das ist wirklich eine sehr hübsche und spektakulär gelegene Marina, allerdings wird es auch sehr eng und trickreich für uns und Frodo beim Einparken. Das gelingt erst im zweiten Versuch und mit viel Hilfe vom Hafenmeister. Der Spaziergang zum Berggipfel entschädigt dann aber. Inzwischen scheint der rege Urlauberbetrieb vorbei zu sein, alles wirkt ruhig und schläfrig. Unterwegs treffen wir auf eine große Familienfeier am Waldgrillplatz. Die Spanier lieben diese Treffen unter freiem Himmel in großer, fröhlicher Runde. Der Blick aufs Meer und die Marina sind atemberaubend schön. Vor dem steilen Abstieg gelingt eine kurze Drohnenaufnahme und am Abend gibt es Gegrilltes an Bord.

Das ehemalige Fischerdorf Adra

Schon am 2.11.2025 geht es weiter nach Adra. Hier haben wir vorgebucht und von hier aus wollen wir am 7.11.2025 einen Kurztrip nach Granada starten.

Auch Adra hält lange Strände für uns bereit und es gibt viel Platz zum Anlegen in der Marina.

Abends tummelt sich gefühlt die halbe Stadt auf der Strandpromenade und eine wilde Katzenschar streunt überall herum. Auf den langen, manchmal leeren Stegen lassen sich die Möwen lautstark nieder. Die Fischer allerdings liegen nicht im Gästehafen, dadurch ist es hier weniger geräusch- und geruchsintensiv als in Caleta de Velez.

Weiter ostwärts beginnen bereits die ausgedehnten Gewächshaus – Gebiete und die Stadt ist mit ihren engen Gässchen eher gemütlich und überschaubar.

Von hier aus gelingt mir, ein Weihnachtspäckchen für meine Mutter auf den Weg zu bringen. Ein kleines Abenteuer wird auch der Friseurbesuch, denn ohne Spanischkenntnisse muss man sich quasi nur mit Körpersprache verständigen. Aber alles klappt erfolgreich und so sind wir auch mit diesem Zwischenstopp zufrieden.

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