Ich erinnere mich, wie einmal ein Reporter der Vendée Globe (zur
Erinnerung: Dies ist die schwerste Segelregatta der Welt, bei der
die Teilnehmer allein mit einem 60-Fuß-Boot um den Globus segeln
und ein Großteil der Teilnehmer aus Frankreich stammt) Jean Le
Cam, den ältesten französischen Segler, einen bretonischen
Salzbuckel bezeichnet hat. Der Atlantik, der trüb-feuchte
Salzwind, die Wellen, die Gischt, der Regen – bei unserer Ankunft
spüren wir genau den Vibe dieser Region, in der solche
Ausnahmesegler heranwachsen. Wir sind nicht nur heilfroh, es
endlich geschafft zu haben, sondern geradezu begeistert, was hier
zu fortgeschrittener Stunde auf dem Wasser los ist. Bei
anhaltendem Nieselregen und auffrischender Brise herrscht ein
schier unübersichtliches, quirliges Treiben auf dem Wasser.
Unglaublich, diese Franzosen: Bunte Surfer, dazwischen fegende
Kites, manche rasen schwebend mit ihren unsichtbaren Foils wie
selbstverständlich über die Wasseroberfläche, kleine Rennjollen,
Katamarane, Yachten – sämtliche wassersportlichen Geräte werden
von den Einheimischen auch abends bei widrigstem Wind und Wetter
leidenschaftlich genutzt. Als wir die Leinen in der Marina
festmachen, fällt eine tonnenschwere Last von unseren Schultern.
Wir fühlen uns schlagartig sicher, unendlich müde und einfach nur
überglücklich, diese Biskaya-Lotterie hinter uns gebracht zu
haben. FRODO hat uns trotz des Wellenchaos und der mechanischen
Zicken sicher an das französische Festland getragen. Jetzt heißt
es: Durchatmen, das Steuersystem zerlegen – und die Ankunft
genießen.