Almerimar zum Mitnehmen
Almerimar….de jate llevar!!
Almerimar, lass dich mitreißen!!
Almerimar zum Mitnehmen!!
Die Schaukel meiner Kindheit
In unserem Garten stand eine Kinderschaukel. Mein Blick ging Richtung Wiesengrund und Stadt einen sanften Hügel bergab und drüben schmiegten sich die Häuser aus dem Tal bergan. Als kleines Mädchen liebte ich es, stundenlang zu beobachten, wie das Bild vor meinen Augen in Bewegung kam, und sich beim Auf und Ab des Schaukelns ins Tal und in die sanften Höhen über der Kleinstadt „schwebend“ veränderte. Bestimmt haben viele Menschen solche Kindheitserinnerungen…
Schaukeln mit Meeresblick
Im „Garten“ von Almerimar...am Poniente Strand...steht eine riesengroße Schaukel. Wenn man auf dieser sitzt, bewegt sich das Bild auch ohne eigenes Zutun. Das Meer verändert sich ständig und zeigt sich entsprechend des Wetters und der Tageszeiten immer wieder neu. Bequem kann man zu dritt oder zu viert verweilen. Hier haben wir öfter Platz genommen und uns mitreißen lassen von wunderbaren bewegten und bewegenden Ausblicken. Hingerissen von beeindruckenden Sonnenuntergängen und tollen Kitern und Surfern versuchten wir, so manchen glücklichen Moment festzuhalten.
Lasst euch nun mitnehmen in unsere Zeit als Segler im Winterquartier! In unserem Mitreisegepäck finden wir viele, viele Fotos und Erinnerungen. Eine Auswahl teilen wir sehr gern mit euch!
Ein Vierteljahr halbe Landratte
19.02.2026
Ja, es ist bereits ein Vierteljahr her, seitdem wir hier in Almerimar angekommen sind. Kaum zu glauben, dass wir tatsächlich so viele Wochen, oder besser Monate, im Winterquartier verbracht haben. Viel hatten wir über Almerimar gehört. In Segelforen, im Büro von Trans Ocean in Cuxhaven, unterwegs während unterschiedlichster Gespräche mit Seglern, die schon einmal hier gewesen waren. Jetzt nehmen wir Abschied und ziehen Bilanz über eine Phase unserer Reise, die wir nicht mehr missen möchten.
Hier kommt Keiner ohne Halt vorbei!
Irgendwie hatten wir eine sehr breite Palette von guten und schlechten „Vorurteilen“ und Informationen im Gepäck, als wir am 11. November 2025 von Adra aufbrachen und nach einem herzlichen Willkommen am Liegeplatz 92 festmachten. Eigentlich wollten wir erst einmal nur für ein paar Tage Zwischenstation machen und schauen, wie es in dieser Marina so aussieht und was uns erwartet, wenn wir Anfang Dezember fest zurück kämen. Bis Anfang Februar war von da an vorgebucht und eine mündliche Zusage gab es auch. Nur eine damals nahende, kurze Starkwindphase planten wir abzuwarten, um dann weiter bis Cartagena und zurück zu segeln.
Mit Blick auf den kleinen Hafenkontrollturm schaukelten wir sicher im ersten Becken der in den 1970er und 1980er Jahren als „Luxusmarina“ konzipierten Anlaufstelle mit ca.1100 Liegeplätzen, an der fast kein Mittelmeersegler ohne Halt vorbei kommt.
Gutes…
Schnell überblickten wir die große Zahl der Vorteile dieses Ortes: Die sichere Lage, die zur Verfügung stehenden Marinaläden für Yachtbedarf aller Art, die vielen fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten, die beiden kilometerlangen Strände Levante und Poniente, ewig lange Radwege und Möglichkeiten, Sport zu treiben.
Begeistert beobachteten wir surfende und kitende Wassersportler, die auch bei heftigeren Winden am gut geeigneten Poniente Strand ihre außerordentlich professionellen Kunststücke übten. Besonders atemberaubend waren die Blicke auf die Bergwelt, die schneebedeckt in der Ferne strahlten. Strand und Schnee auf einem Blick, das war für uns neu und schön.
Die Spanier flanierten abends und besonders an den Wochenenden oder Feiertagen gut gekleidet auf den Strandpromenaden, saßen zahlreich und oft im Familienkreis in den Bars und Cafes, sobald es milde und sonnige Stunden gab. In den umliegenden Gebäuden hatten sich verschiedene Arztpraxen niedergelassen.
Bedeutsame Vorteile:
Hinzu kam der große Vorteil eines Trans Ocean Stützpunktes mit Alex und Udo in der nur einen Katzensprung entfernten Wäscherei. Liebevoll und herzlich erhielten wir nicht nur professionelle Hilfe bei der Erledigung unserer Wascharbeiten. Hier war also der sagenumwobene Anlaufpunkt einer recht großen deutschsprachigen Seglergemeinschaft. Wir hatten wieder eine Postadresse, durften „nebenbei“ Probleme austauschen und also geplant während der Winterzeit zur „Landratte“ werden. Der Trans Ocean Stammtisch am Donnerstagabend bot die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen.
Gewöhnungsbedürftiges:
Ein in die Jahre gekommener Duschraum, die zum Teil rostigen Poller und Ringe für die Leinen, das eher trübe Wasser und die große Reihe von Gaststätten und Versorgungseinrichtungen erschienen uns auf den ersten großzügigen Blick als nicht schön aber zumutbar.
Weihnachten kann kommen…
In den die vier Becken umgebenden Gebäuden gab es genügend Ferienwohnungen, um für den Besuch unseres Sohnes Johannes einen ruhigen Schlafplatz zu finden. Kurz, wir konnten uns vorstellen, hier Weihnachten und den Jahreswechsel zufrieden zu verbringen.
Da die Liegegebühren vergleichsweise günstig und auch ein Kranen und Arbeiten auf dem Trockendock möglich waren, wurde Almerimar letztlich zum „Glücksgriff“ bei der Auswahl der Wintermarina.
Die Täuschung – Enttäuschung?
Etwas geschockt war Thomas dennoch, als er nach ein paar Tagen Aufenthalt vom nur spanisch sprechenden Büromitarbeiter im Marina Office unfreundlich unter Druck gesetzt wurde. Die Verständigung per Handyübersetzung war miserabel, aber so viel verstand Thomas dann doch: „Wenn ihr jetzt wegfahrt, können wir nicht garantieren, im Dezember einen Liegeplatz für euch zu haben.“
Das hatten wir vor ein paar Tagen am Telefon von Fumi aber ganz anders gehört. Fumi war und ist für uns ein Phänomen. Er beherrscht fließend eine Hand voll Sprachen (oder mehr?), ist im Hafenbüro kompetente Respektsperson, immer freundlich und ausgeglichen und spürbar die Ruhe selbst. Auch beim Empfang vor einer Woche hatte die freundliche und überaus hilfreiche Mitarbeiterin nichts dergleichen erwähnt. Was sollten wir nun tun? Keine Ahnung, wie sich das Wetter im November und Dezember genau entwickeln würde. Ohne Erfahrungen, wie die Winterstürme in Andalusien so ablaufen, entschied Thomas schweren Herzens, die Weiterreise nach Cartagena mit dem Boot abzublasen und lieber den sicheren Schutzhafen als Ausgangspunkt für ausgiebige Landreisen zu wählen. Dass das von Almerimar aus später so einige Probleme auf den Plan rief, war uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz klar. Aber wir wussten schon: Mietautos aufzutreiben und Busreisen zu beginnen würde nicht ganz einfach sein.
Herzensangelegenheiten…
Viel haben wir in unserer Zeit im Winterlager unternommen, einige Seglerfreunde schlossen wir fest in unsere Herzen, unterschiedlichste Lebensläufe durften wir zuhörend verfolgen und vor allem bekamen wir die Möglichkeit, die Spanier etwas näher kennen zu lernen, die hier vor Ort lebten und arbeiteten oder hier Familientreffen und Feiern abhielten.
Gleich kurz nach Ankunft radelten wir mit den Klapprädern den steilen Berg hinauf nach El Ejido, wo am „Tag des Flamenco“ auf dem Hauptplatz des Ortes vor dem Kulturhaus ein riesiger Flashmob aller Flamencogruppen der Gegend stattfand. Später wanderten wir zum Leuchtturm Faro de la Punta de los Banos und zum Castillo de Guardias Viejas.
Zwei Boote weiter lagen Peter und Kiri mit ihrer Kyri. Die beiden Australier, er mit holländischen, sie mit griechischen Wurzeln, leben schon lang auf ihrem Boot und haben das ganze europäische Mittelmeer bereist. Schnell entdeckten wir, dass wir viele Gemeinsamkeiten hatten und genossen einige Wochen glücklicher Nachbarschaft, die mit gemeinsamen Ausflügen, Kinoabenden (an Bord der Kyri) und Grillabenden und vor allem vielen, vielen guten Gesprächen ausgefüllt waren.
Mehrmals besuchten wir das Naturschutzgebiet Punta Entinas-Sabinar, wo wir Flamingos beobachten konnten.
Erkundungstouren
Unvergesslich bleiben unsere langen und kurzen Spaziergänge und Badepausen, die Tapasabende im „Stumble Inn“, aber auch die durchwachten Nächte, wenn von der Diskothek schräg gegenüber ausgehend wieder mal bis morgens 4.00 Uhr der Bass durch das erste Hafenbecken bebte. Noch vor dem Weihnachtsfest besuchten wir zweimal Malaga, statteten Almeria einen Besuch ab, blieben einige Tage in Cartagena, wanderten oben in den Bergen, fuhren zweimal zum Bergdorf Frigiliana und erkundeten die Küstenabschnitte um uns herum. Ich werde in kleineren separaten Einträgen später ausführlicher davon berichten.
Weihnachten an Bord
Und dann besuchte uns unser Sohn Johannes zu Weihnachten! Was für ein Glück! Knappe fünf Tage genossen wir ein unvergessliches Fest. Wir hatten es schön und wir machten es uns gemütlich, kochten und backten und unternahmen kleinere Ausflüge nach Frigiliana, in das Gebirge bei Dalias und in den Nationalpark mit den Flamingos. Am 24.Dezember fuhren Thomas und Johannes morgens hinauf nach El Ejido, um ein paar Runden auf der Kartbahn zu drehen. Spielen zur Weihnachtszeit, auch eine Weinreichsche Tradition!
Unterm Weihnachtsbaum
Unseren Weihnachtsbaum stellte ich aus Papier her. Dort lagen erstaunlich zahlreiche Geschenke. Aus Deutschland hatten uns Päckchen von lieben Freunden erreicht (Grüße an Swanhilt, Martin, Detlef und Anne gehen raus.) und selbst der Kaffeegenuss war ein Highlight, denn Johannes hatte ein ganz besonderes Geschenk für Thomas gesendet, welches dieser bereits am 22.Dezember auspacken durfte. Von nun an gab es „den besten Cappuccino der Welt“ bei uns an Bord! Beim Weihnachtgebäck setzten wir natürlich auf die spanischen Besonderheiten, anstatt Stollen zierten eine gehaltvolle Torte „San Sebastian“ und das typische Schmalzgebäck und Mandelgebäck Turron die Kaffeetafel. Nun gelang auch der „Barraquito“ oder „Cafe Asiatico“, wie man ihn hier nennt, besonders gut. Für Weihnachtsmusik sorgten wir selbst, das Leben war schön!
Was für eine Bescherung!
Dass am ersten Weihnachtstag sogar ein Kaffeetrinken an Bord bei Sonnenschein möglich war, freute uns sehr und war etwas ganz Besonderes.
Geschenk der Natur
Am Abend des ersten Weihnachtstages beschenkte uns die Natur reichlich. Wir beobachteten den schönsten Sonnenuntergang unseres Aufenthaltes in Almerimar am Strand und „auf der Schaukel“.
Leider musste uns Johannes bereits am Morgen des 26. Dezember planmäßig verlassen, um nach Deutschland zurückzukehren. Die Arbeit wartete auf ihn und Oma Inge brauchte seine Hilfe und Unterstützung.
Hinein ins Jahr 2026
Zum Jahreswechsel war es erstaunlich ruhig in der Marina, den sonnigen Nachmittag nutzten wir für eine lange Strandwanderung und den Abend genossen wir in andächtiger Zweisamkeit….
Abschied für immer
Das Jahr 2026 begann für uns mit einer sehr traurigen Botschaft. Schmerzlich wurden wir daran erinnert, dass das Leben endlich ist und dass mancher Abschied ein Abschied für immer sein muss.
Die Nachricht ereilte uns nicht plötzlich und unvorbereitet. Schon seit einigen Wochen gingen unsere Gedanken sorgenvoll nach Deutschland und wir waren froh, dass Thomas’ Schwester mit Partner und Johannes sich intensiv und äußerst unterstützend kümmerten und uns auf dem Laufenden hielten.
Mit 91 Jahren ist Thomas’ Mutter am Neujahresmorgen nach einem langen, selbstbestimmten Leben und so, wie sie es sich gewünscht hat, bei sich zu Hause ohne langes Leiden von uns gegangen.
Tage des Innehaltens und Vorbereitens
Der Januar brachte uns eine Vielzahl von Stürmen und gefühlt Unmengen von Regen. Wir konnten es kaum glauben, aber die Hälfte der Zeit unseres Reisejahres war bereits abgelaufen und nach einem Wartungsaufenthalt sollte die Rückreise gut vorbereitet werden.
Neben Bestellungen, Korrespondenz mit Deutschland, Pflege der Internetseite, Planungen zur Weiterreise und sportlichen Aktivitäten versuchten wir uns darüber klar zu werden, wohin wir ab spätestens März „abbiegen“ wollten.
Neue Seglerfreunde fanden wir in der Crew von Mariposa aus Münster, die wir kurz vor Weihnachten kennen gelernt hatten. Zusammen mit Tochter Franziska und Bootshündin Käppi waren Heike und Frank beinahe Nachbarn und lagen uns gegenüber im Hafenbecken zwei. Nach ihrem „Weihnachtsurlaub“ kehrten Frank, Heike und Käppi zurück auf ihre hübsche „Reinke“. Von nun an tauschten wir uns intensiv aus, werkelten parallel auf dem Trockendock und es sollte sogar zu einem kleinen gemeinsamen Segelabenteuerabschnitt kommen.
Dreikönigstag
Am 6. Januar wurde es äußerst lebendig in Almerimar. Ein bunter, froher, lauter Umzug zum Dreikönigstag erfreute alle Hafenbecken nacheinander. Wir standen staunend an Deck und wurden auch mit einem Bonbonregen bedacht. So erfuhren wir, dass für die spanischen Kinder erst an diesem Tag große Bescherung ist. Die Freude war an allen Ecken der Marina zu spüren und wir ließen uns dankbar anstecken.
Was sonst noch geschah…
Viele neue Blogeinträge gingen online und wir haben repariert und instand gehalten. So also der grobe Überblick und die Beschreibung, womit wir von November bis Februar beschäftigt waren. Wer tiefer „eintauchen“ möchte, sei herzlich eingeladen zu meinen kürzeren und längeren Erzählungen über diese Zeit.
Es folgt später auch noch ein eigenständiger Blogeintrag zu unseren „Landreisen“. Viel Vergnügen!
Mit Blick auf den Marinaturm, Ankunft und Beobachtungen
11.11.2025
Wir legen am Platz 92 problemlos an und sichern Frodo für die kommenden windigen Tage. Dann spazieren wir zum nahen Strand Poniente. Interessiert beobachten wir die Menschen und die uns umgebende Marinaarchitektur. Die umliegenden Gebäude sind nicht höher als 5 Stockwerke, wobei die Räume im Parterre größtenteils mit vorgelagerten arkadenartigen Vorbauten oder Pavilions ausgestattet sind. Dort finden sich viele, viele Cafes, Kneipen, Boutiquen, Friseursalons, Nagelstudios, aber auch Arztpraxen, Physiotherapieeinrichtungen, Blumenläden, eine Musikschule, Fahrschulen und mehrere Sprachschulen. Ach ja, Maklerbüros gibt es natürlich auch. Dann wäre da noch eine größere Zahl von Fitnessstudios zu erwähnen. Wer bitte von den Yachties braucht das hier eigentlich alles? Sind die Boote vielleicht Teil einer Kulisse, die einen bestimmten „Lifestile“ darstellen sollen?
Hinten nahe der Marinaoffice stehen die Wohnmobile zahlreich aneinander gereiht. Die angrenzenden Parkplätze werden ebenfalls von einer großen Gruppe unterschiedlichster wild parkender Wohnmobilianer genutzt.
Fußläufig sind mehrere Supermärkte erreichbar, mit dem Fahrrad gelangt man schnell in die anderen Stadtteile, wo sich wiederum neue Supermarktketten einen Verkaufsort gesichert haben. Ein Auto bräuchte man hier als älterer Anwohner also nicht unbedingt.
In der dritten Häuserzeile ein riesengroßes Golfhotel mit angrenzenden „Spielwiesen“ der Golfer. Das ist sicherlich ein sehr schöner Ort für Sporturlauber, denn es gibt viel Raum und jede Menge gestalteter natürlich wirkender Aufgabenfelder. Später erfahren wir, dass die gesamte Marina im Besitz derselben Investorengruppe ist, die dieses Hotel betreibt. Auch munkelt man, dass der fünundzwanzigjährige Pachtvertrag für die Marina ausläuft.
Dass die Einrichtungen und so einige Boote in der Marina „in die Jahre gekommen“ seien, hatten wir im Vorfeld gelesen. Es gibt tatsächlich auch einigen Leerstand in den Straßenzügen, aber auf den ersten Blick floriert das Geschäft noch. In den höheren Stockwerken befinden sich jede Menge Wohnungen. Wie genau der Vermietungsstand ist, werden wir nicht erfahren. Wir gehen davon aus, dass die Mehrzahl von Zugewanderten oder temporär hier lebenden Menschen genutzt wird. Manchmal befinden sich auf den Dächern der Häuser sogar private Pools. So etwas habe ich manchmal als Kind auf Zeichnungen in Phantasiebauten untergebracht. Trotzdem wirkt alles etwas „verbrauchter“.
Auf der breiten Promenade flanieren Menschen in schicker Kleidung. Am Wochenende werden wir erleben, wie die feschen Spanierinnen mit Kind und Kegel hier entlang stöckeln. Ihre trainiert aussehenden Männer werden geduldig den Nachwuchs hätscheln und glücklich aussehen, die Großeltern lautstark den Ton angebend, gepflegt und freundlich einschließend. Spätestens da erkennen wir, dass man dann mit der sportlichen ( manchmal etwas abgewetzten) Seglerkleidung visuell eher negativ auffällt.
Jetzt, wochentags, ist der Weg bereits vielen Sportlern vorbehalten, die walkend und joggend, radelnd und skatend unterwegs sind. An jeder Ecke ein riesiger Spielplatz. Wenn möglich, werden diese bis zur Dunkelheit von den kleinen Gästen der Marina belebt, deren Eltern in den angrenzenden Gaststätten sitzen und mit großer Gelassenheit liebevolle Blicke auf ihren quirligen Nachwuchs werfen.Vor den aalglatten Neubauten hauseigene Pools, Tennisplätze, gepflegter Rasen, blühende Sträucher. Am Kiesstrand wenig Müll, aber jede Menge Hundekot….
An jeder zweiten Ecke auch riesige Müllstationen, die immer überfüllt scheinen,( aber nächtlich geleert werden. Nachts laufen auch die Menschen durch die Marinagassen, die den gröbsten Wegwerfmüll einsammeln, sie kommen nicht hinterher, wenn an einem stürmischen Tag der Plastikmüllcontainer durch Umkippen unplanmäßig „geleert“ wurde). Straßenreinigung im großen Stil geschieht mit Wasser und Hochdruckreiniger von einem LKW aus. Der Schmutz wird einfach ins Meer gespült.
An jeder dritten Ecke eine Station mit Fitnessgeräten im Freien, die tatsächlich auch rege genutzt werden.
Hinter den Bäumen in einer Art Rondell eine konzentrierte Pensionärsschar, Boggia spielend.
Viele ältere Leute gehen mit Rollator eine Runde. Fast jeder Mensch führt einen Hund an der Leine.
Weiter hinten: Baustellen, nicht mehr nur fünfstöckig, dafür Unmengen von Baumaterial, das später in regelmäßigen Abständen „geflutet“ werden wird, weil hier ja temporär Seen entstehen.
Ab und an junge Mütter und Väter, Kinderwagen schiebend, telefonierend...
Abends füllt sich der Parkplatz vor unserem Boot. Großeltern bringen ihren Nachwuchs in die englische Sprachschule oder zum Tanztraining. Junge Leute genehmigen sich einen Drink in der Kneipe nebenan. Es fällt wirklich auf, wie zugewandt die Menschen einander sind. Wie schön! Auffällig auch der hohe Anteil an Elektroautos oder tatsächlich vieler deutscher Luxusmarken.
Diese Spanier stellen sicher nicht den „Durchschnitt“ der Bevölkerung ihres Heimatlandes dar, das nehmen wir sehr stark an.
Vorerst genießen wir den ersten Blick und schmieden Pläne, was wir erkunden wollen. Am Strand hängt ein Plakat mit dem Hinweis auf den „Tag des Flamenco“ am 15.11.2025. In El Ejido soll auf dem Hauptplatz vor dem Kulturhaus ein Flashmob stattfinden. Das müssen wir erleben!
Mar de Plastico
15.11.2025
Voller Vorfreude schwingen wir uns auf unsere Klappräder und machen uns auf den Weg hinauf nach El Ejido. El Ejido heißt übersetzt „der Auserwählte“. Zunächst beginnt alles vielversprechend auf einem gut aussehenden Fahrradweg, allerdings steil bergan. Schnaufend überwinden wir den großen Höhenunterschied zwischen Strandbereich und Hochebene immer am Rand der natürlichen oder später gefrästen „Abbruchstellen“ der Berge entlang. Oben angekommen breitet sich vor uns El Ejido mit dem „Mar de Plastico“ aus. Das konnte man unten in der Marina gar nicht sehen! Almerimar sollte in seiner Umgebung superhässlich sein. Wie alles „in echt“ wirkt und sich dann anfühlt, ist für uns dennoch eine andere Geschichte.
Plastikplanen, so weit das Auge reicht. Bis zu den steil ansteigenden, Würde ausstrahlenden Bergketten erstreckt sich der „Gemüsegarten Europas“. Hier erwächst der materielle Reichtum dieser Region mit allen wirtschaftlichen und umwelttechnischen, menschlichen und unmenschlichen Vor- und Nachteilen. Im Internet finden sich etliche gute Artikel zum Thema.
Ich stelle mir vor, wie diese Landschaft wohl ausgesehen haben mag, bevor diese extensive Form der Landwirtschaft betrieben wurde. Aus einem kleinen, armen, landwirtschaftlich geprägten Dorf, das noch in den Siebziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts mit 500 Einwohnern mehr schlecht als recht existierte, wurde eine riesige Stadt mit 50000 Einwohnern. Ehemalige Bauernsöhne und Töchter, die von den spanischen Familien zur Gastarbeit oft auch nach Deutschland entsendet wurden, stiegen nach ihrer Rückkehr zu Großgrundbesitzern auf, die heute eine große Schar von (oft illegal) eingewanderten „Gastarbeitern“ beschäftigen.
Ich stelle mir meine Mahlzeiten vor, die häufig aus viel buntem Gemüse bestehen, die ich während des gesamten Jahres konsumieren möchte und bin hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Ablehnung. Wären die deutschen Felder überdacht, würden oft viel größere Flächen mit „Plastik“ überzogen sein. Und ist dies alles noch „Plastik“, die nicht recyclebar ist? Man spürt sichtbar die Bemühung um Sauberkeit und Schutz.
Oben thront ein riesiger Krankenhauskomplex, gegenüber befindet sich ein großes Einkaufszentrum. Die Stadtmitte markiert ein Hochhaus, ringsherum bestimmen viele Neubauwürfel das Bild. Breite Straßen, viele Kreisel ein Autobahnkreuz und wir mit unseren Klapprädern mittendrin. Der empfohlene Weg biegt beim Abwärtsrollen auf holprige Gewächshausgassen ab. Wir schuckeln durch steinige Mulden, die wohl bei Regen zu schlammigen Löchern werden. Neben uns Planen, Planen, Planen. Was hier angebaut wird, können wir nur anhand der weggeworfenen Früchte erahnen, die ab und an herumliegen. Paprika, Gurken, Zuccini, Auberginen…
Was hier angebaut wird, bekommen wir im Supermarkt unten in Almerimar ebenso verkauft, wie in Dessau.
Dem Gehör nach befinden wir uns in einem Gebiet, wo wir nicht gern gesehen sind, denn es schlagen etliche wild bellende Hunde an. Gespenstisch. Nirgends sehen wir Menschen.
Dann wieder eine Asphaltstraße. Die überholenden Autos rasen schnell an uns vorbei, wir treten wild in die Pedale, um endlich wieder auf dem Fahrradweg anzukommen, der uns Sicherheit bietet.
In den kommenden Wochen werden wir in den Supermärkten immer wieder nach Gemüse suchen, das wirklich schmeckt. Aber auch hier vor Ort ist dies meist enttäuschend erfolglos. Es ist die Rede vom „Green House“ in dem bioligisch einwandfrei produziert wird. Dort kann man Führungen besuchen, kosten und kaufen. Später finden wir das Gebäude, es ist aber für die Öffentlichkeit gerade nicht zugänglich, saisonal bedingt….
Wenn sie tanzt, tanzt alles…
Tag des Flamenco
Wir rollen weiter auf sicheren Fahrradwegen und über unzählige Fußgängerstreifen. Geduldig warten die Autofahrer tatsächlich an jedem Überweg. Dann sind wir, wieder dem Gehör nach, bald da….
Oben auf der Bühne dreht und windet sie sich stolz und gebieterisch: Weiße Bluse mit feinen, flügelflaumgleichen Kordeln, die langen Haare streng zum Mittelscheitel geteilt, hochgesteckt und mit einer riesigen roten Rose gekrönt, Bluejeans über Flamencoschuhen mit hohen, robusten Absätzen. Alles an ihr tanzt: Die Finger, die biegsamen Arme, der sich wiegende Oberkörper, die schwingenden Hüften, die wirbelnden Beine und knallend, peitschend, stampfenden oder weich federnden Füße. Ein kraftvoller Freudentanz geht von ihr aus und steckt alle an. El Ejido tanzt!
Der gesamte quadratische Hauptplatz, umgeben von Häuserreihen, ist dicht an dicht mit Tänzerinnen und Tänzern ausgefüllt, um sie herum die mitfeiernden Zuschauenden, klatschend, jubelnd, wild filmend und fotografierend. Alle folgen der vorgegebenen Choreografie: Fantasievoll zusammengestellte Figuren in flüssiger Abfolge, Posen von Tieren wie von Schlangen, Skorpionen oder Pfauen werden zelebriert. Die Menge wogt mit, froh und glücklich, aber kaum perfektionistisch. Jeder will sich zeigen und mittun, so gut es eben geht. Dieser Flamenco wirkt authentisch. Alte Figuren nach jüngerer Musik. Die Tableautänzer aus Granada würden wohl die Nase rümpfen? Zu gefällig? Zu sehr Mainstream? Zu poppig?
Leid und Wut finden sich bestimmt auch im Repertoire der Lehrerin. Auch sie kann garantiert dem Gitarristen unmissverständlich vorgeben, wie er sie zu begleiten hat. Heute aber beflügelt sie froh und glücklich die Menschen zur Feier des Flamenco. Wenn man genau hinschaut sieht man ihre Gefühle zum Tanz auch in ihrer nuancenreichen Mimik.
Aus der ganzen Umgebung der Stadt scheinen sie angereist zu sein, hatten wohl schon Choreografien vorstudiert und an Workshops teilgenommen. Und wir dürfen dabei sein, wenn im Herzen der Stadt „des Auserwählten“ gefeiert wird.
Vorhin, als wir der lauten Musik folgend angekommen waren, fächerten und stampften alle bereits in größeren und kleineren Gruppen geschickt, kunstvoll, ansteckend und faszinierend organisiert durcheinander. Das war ein Spaß!
Dann Stille, ein Barde und ein Gitarrist betreten die Bühne, Letzterer improvisierend, der Dichter rezitierdend. Der Flamenco lebt!
Was danach geschieht rührt mich so sehr, das ich mit den Tränen kämpfen muss: Männer mit Armen voller roter Nelken schlängeln sich geschwind durch die Reihen und verteilen diese. Kindheitserinnerungen werden in mir wach. Ich stehe inmitten eines Volksfestes, alle tragen rote Nelken, Symbol für Liebe, Leidenschaft, Bewunderung, Solidarität und Widerstand.
Dieses Volksfest hier ist kein „erzwungenes“, künstlich „zur Schau gestelltes“. Die Spanierinnen und Spanier bewahren tanzend eine uralte Tradition. Der Flamenco lebt! Aber echt!
Sonntags zum Leuchtturm und zur Festung
16.11.2025
Sich eine Gegend laufend zu erschließen ist schön. Unser Ziel ist der Leuchtturm „Faro de la Punta de los Banos“, der am Ende der großen Bucht Richtung Westen steht. Auf unserem Weg am Strand entlang und auf der Promenade schauen wir auch immer wieder verzaubert zu den schneebedeckten Höhen der Sierra Nevada. Später treffen wir auf wild campende Caravan Autos, die am peitschenden Wasser Halt gemacht haben und betrachten den weißen Leuchtturm inmitten karger Landschaft mit tollen Ausblicken. Oben erhebt sich die alte Festung „Castillo de Guardias Viechas“. Kraxelnd gelangen wir über einen Geröllberg hinauf und hinein. Von dort haben wir einen guten Überblick. Zurück geht es auf Feldwegen. Wieder am Strand sehen wir freudig den vielen Kitern entgegen. Der Wind hat sie angelockt und treibt sie nun wild über das Meer.
Punta Entinas-Sabinar
Diese Landschaft ist ursprünglich und bezaubernd. Zwischen Marinabauten und Gewächshäusern ist zum Glück ein Strandabschnitt und Landschaftsstreifen unter Naturschutz gestellt worden. Selbst die angrenzende Pferdekoppel und der Bauernhof und eine misteriöse „Villa“ verschwinden im Dickicht des „Dschungels“, der angelegte Wege schon längst wieder zu ihrer Ursprünglichkeit zurück verwandelt hat. Nach starkem Regen bleibt man nah am Wasser im Morast stecken. Scheint die Sonne, kommen auch schnell die fies stechenden Fliegen hervor. Ist man vorsichtig beim Anpirschen, gelingt das ein oder andere Foto von Flamingos. Weit kann man laufen in einer Landschaft, die manchmal einer Wüste gleicht und manchmal grün und zart blühend überzogen ist. Die gut ausgetretenen Pfade nach oben zur Abbruchstelle werden von Radlern nur ganz sporadisch benutzt. Meist sieht man an ihrer Hautfarbe, dass es Arbeiter der Gewächshäuser sind. Oben gibt es ein paar Höhlen im Gestein. Ob man da wohnt?
Wandert man am Meer entlang, entdeckt man auf Schritt und Tritt Strandkunst, gestaltet von vorübergehenden Aktionskünstlern, die nach „Anspülung“ Skulpturen gestalten. Das ist ein Vergnügen! So kann man dem vielen Müll doch noch etwas Positives abgewinnen.
Frodo geht auf das Trockendock
19.01.2026
8.00 Uhr. Bevor der Wind wieder einsetzt wird Frodo gekrant. Es klappt alles wie am Schnürchen. Die Werftarbeiter kennen sich aus und sind zahlreich zur Stelle. Beinahe passt der Windgenerator nicht unter den Kran, aber geschickt jonglieren die Arbeiter das Boot.
Später steht Frodo auf Böcken und wird mit Hochdruck gereinigt, dabei wird zwar die Schiffsschraube blitzblank, aber zu viel Farbmaterial platzt ab. Wir müssen später daher mehr spachteln und schleifen, als wir angenommen hatten. Während der sehr giftigen Farbarbeiten tragen wir Schutzanzüge und Masken, müssen mehrmals pausieren, weil Regen und Wind zu heftig werden, aber schließlich gelingt ein ordentlicher Anstrich des Unterschiffs. Ines schneidert Fenderhüllen, Thomas kümmert sich um das Antriebslager. Sein Abzieher wirkt Wunder, der Austausch des äußeren Wellenlagers gelingt nach viel Tüftelei ohne dass die Welle gezogen werden muss. Unterdessen ist das Trockendock eher ein Schlammdock, selten scheint die Sonne, es ist kalt und wir fliehen an einem Tag sogar vor einem Sturm, weil wir sowieso nichts arbeiten können. Die Werftarbeiter kommen in Abständen und überprüfen laut mit Hämmern schlagend die Verkeilungen an den Bootsstützen. Frodo schüttelt sich und vibriert und verliert in einer sturmreichen Nacht drei Keile an den Ständern. Zum Glück entdeckt Thomas die angehende Neigung des Bootes und ruft Hilfe herbei. Frodo wird neu und besser abgestützt. Das hätte schief gehen können. Am Ende sieht alles schick aus und wir sind zufrieden. Zwei Wochen Trockendock stecken uns in den Knochen, als wir bei stärkerem Wind am zweiten Februar morgens in der Box 140 im zweiten Hafenbecken mit der freundlichen Unterstützung zweier Werftarbeiter festmachen.
Jetzt geht es „rund“
4. Februar, kurz nach Sieben. Draußen schüttet es wie aus Eimern, wir „waten“ durch die Wassermassen zur Bushaltestelle und hoffen, dass der Linienbus bei den gerade herrschenden Hochwasserbedingungen rechtzeitig kommt, um uns zum Anschlussbus nach Malaga in El Ejido zu bringen. Wir wollen anlässlich eines runden Geburtstages eine längere Tour nach Cordoba unternehmen. Aber das ist ein anderes Kapitel und wird später ausführlicher beschrieben.
Stürme und Karneval
Neben den Vorbereitungen für die Abfahrt erleben wir immer wieder Sturmtage. Sogar der Karnevalsumzug in Almerimar muss verschoben werden. Nach Aussagen eines TO Mitgliedes sollen uns neun Stürme erreicht haben. Statistisch gesehen sind das sechs zu viel. So manches Segel reißt lautstark in der Marina. Abdeckungen hängen zerfetzt an einigen Booten.Taucher reparieren Mouringleinen und am Strand liegen überall Müll und Treibgut herum. Immer wieder gibt es heftigen Regen, aber bald danach kommt auch wieder die Sonne heraus.
Wir radeln ein letztes Mal nach El Ejido und sehen auf dem Hauptplatz beim Kinderfasching zu. Besonders fantasievoll haben sich Themengruppen ausgestattet und die Kleinen dürfen sich stundenlang auf der Bühne präsentieren. Alles läuft liebevoll und ganz in Ruhe ab…. So beenden wir unsere Zeit in dieser Gegend, wie wir sie begonnen haben: Als Gäste unter feiernden Einheimischen. Wie schön!