Überraschung: Plötzlich mitten im Finish der ROLEX FASTNET RACE 2025

ROLEX FASTNET RACE 2025

Zwischen Flaute und Sturm: Die Kanalüberquerung nach Cherbourg

Im Morgengrauen um 5:15 Uhr starten wir den Motor und passieren die Brücke von Calais. Die Boje lässt sich zügig belegen, und nach einem kurzen Frühstück machen wir uns bereit für die 24-stündige Überfahrt nach Cherbourg. Die Anspannung ist groß – wird die Wettervorhersage zutreffen? Die ersten Stunden schenken uns perfektes Halbwindsegeln. Und es gibt endlich keine Probleme mit Salzwasser in der Bilge! Das geschlossene Seeventil scheint die Lösung zu sein. Doch mit dem Abend kommt die Herausforderung: Der Wind dreht, die See wird rau. In der Dunkelheit kämpfen wir gegen einen unerwartet starken Gegenstrom. Thomas muss trotz voller Segel den Motor starten, damit FRODO nicht rückwärts treibt – ein Szenario, das die Wettervorhersage nicht vorgesehen hatte. Die Begegnungen mit Fischerbooten in der Nacht sind nervenaufreibend, besonders da das Radar für mich noch Neuland ist. Thomas kämpft mit Übelkeit, übernimmt aber dennoch souverän die Navigation und Segelführung. Mit der Morgendämmerung entspannt sich die Lage. Die wilden Wellen um das Kap vor Cherbourg können uns nichts mehr anhaben. Um 11 Uhr werfen wir erleichtert den Anker und gönnen uns die wohlverdiente Ruhe nach dieser anspruchsvollen Überfahrt.

Überraschende Entdeckung: FRODO inmitten der Weltelite des Segelsports

Am Nachmittag machen wir unser Beiboot "Gandalf" klar und erkunden den imposanten Hafen von Cherbourg. Was uns erwartet, lässt uns staunen: Überall hochmoderne Rennboote – elegante Trimarane und futuristische IMOCA-Yachten. Offenbar sind wir mitten in ein bedeutendes Segelevent geraten. Die Anlandung mit dem Beiboot stellt uns vor praktische Herausforderungen: Rostige Leitern? Glitschige Treppenstufen? Wo können wir bei diesem Tidenhub unser Beiboot sicher vertäuen? Wie so oft hilft die Freundlichkeit der Einheimischen – ein Fischer erlaubt uns, an seinem Boot längsseits zu gehen. Nach einem erfolglosen Versuch, ein günstiges Restaurant zu finden, landen wir beim Chinesen mit Take-away. Mit unseren Essenspaketen auf einer Brückenbank erregen wir neugierige Blicke der Passanten – offenbar ist das öffentliche Speisen hier ungewöhnlich. Die Montagsruhe liegt über der Stadt, doch wir entdecken trotzdem architektonische Schätze: Ein prächtiges Theater im italienischen Barockstil, ein nostalgisches Kinderkarussell auf dem Marktplatz und zwischen all dem Grau immer wieder charmante Weinlokale. Mit Gandalf geht es sicher zurück zu FRODO, wo wir vor Anker die Nachtruhe genießen.

Dilemma vor den Kanalinseln: Ein glücklicher Zufall

Der freundliche junge Marinero hatte uns gestern noch mitgeteilt, dass wir wegen der 444 zu erwarteten Rennboote nur 24 Stunden bleiben dürfen. Thomas beginnt daher früh am Dienstagmorgen mit der Routenplanung. Schnell wird klar: Die Kanalinseln sind ein anspruchsvolles Revier, das sorgfältige Navigation erfordert – wieder Neuland für uns. Ein Zeitfenster für Alderney öffnet sich am Nachmittag, doch Thomas zögert. Die Navigation wäre herausfordernd, und nach der anstrengenden Überfahrt bräuchten wir beide noch etwas Erholung. Wie durch ein Wunder findet unser hilfsbereiter Marinero trotz des Großevents einen Liegeplatz für uns. Trotz kritischen Blicks in die Bordkasse nehmen wir dankbar an – eine Entscheidung, die sich als Glücksfall erweisen wird.

Mittendrin statt nur dabei: Unser Logenplatz beim 100-jährigen Fastnet-Jubiläum

In der Marina bekommen wir einen Premiumplatz mit direktem Blick auf die Rennyachten, umgeben von modernen Aluminiumyachten der Marke Allure. Unsere betagte FRODO passt perfekt in diese illustre Gesellschaft – ein Oldtimer mit Charakter zwischen den Hochleistungsmaschinen. Im Hafenbüro empfängt uns eine fließend deutsch sprechende Mitarbeiterin, die uns mit einem Trick bis Sonntag einbucht und wertvolle Insider-Tipps gibt. Jetzt erst verstehen wir unser Glück: Wir sind zufällig beim 100-jährigen Jubiläum des Fastnet Race gelandet! Teilnehmer aus aller Welt, spektakuläre Yachten und als Höhepunkt eine Flugshow der berühmten "Patrouille de France". Boris Herrmann im Fernsehen zu verfolgen ist eine Sache – mittendrin im Trubel eines solchen Events zu sein, ist ein völlig anderes Erlebnis. Die Tage in Cherbourg nutzen wir vielseitig: Wir bestellen dringend benötigte Ersatzteile und arbeiten an unserer Website, die am 1. August online gehen soll. Die Stadt zeigt sich von ihrer besten Seite. Dienstags pulsiert das Leben in den Straßen, perfekt für einen Bummel und zum Beobachten der elegant gekleideten Französinnen. Die Freundlichkeit der Einheimischen beeindruckt uns immer wieder. Am Mittwoch entdecken wir eine bezaubernde Konditorei mit Meisterwerken aus Baiser und Buttercreme. Später beobachten wir die Übungsflüge der Kunstfliegerstaffel – ein atemberaubendes Schauspiel am Himmel. Die Marina füllt sich zunehmend mit stolzen Teilnehmern, deren Jubelrufe manchmal sogar nachts zu hören sind. Wir sind mittendrin in einem maritimen Großereignis!

Fotogalerie Cherbourg