Auf dem Rückweg
Samstag, 21.02.2026, 4.00 Uhr. Wir legen ab und starten den zweiten großen Abschnitt unserer Segelreise: Die Rückfahrt. Lange schon haben wir auf diese Chance gewartet. Endlich wieder lossegeln, was für ein tolles Gefühl! Mühelos passieren wir die enge, betonnte Ausfahrt bei Almerimar. Über uns strahlen die Sterne. Die Mondsichel, die momentan nur wie eine kleine filigrane Wiege am Himmel zu sehen war, ist um diese Uhrzeit bereits verschwunden. Mach’s gut, Almerimar, deine Lichter werden noch mehrere Stunden für uns sichtbar sein, wir kehren dir dankbar den Rücken zu und nehmen mit 180 Grad Heading unter Motor Kurs auf Melilla, spanische Exklave an der Küste Marokkos. Froh sind wir, dass knapp hinter uns Heike, Frank und Käppi mit ihrer „Mariposa“ folgen, denn diesen Reiseabschnitt werden wir nun eine Weile gemeinsam erleben. Da wir aber wissen, dass wir in unterschiedlichen Tempi segeln, haben wir uns schon mal viel Glück bei der Querung des Mittelmeeres gewünscht. „Wir sehen uns in 85 Seemeilen wieder!“.
In der Dämmerung
Gegen 6.00 Uhr beginnt die Dämmerung und der sternklare Himmel wird allmählich heller. Im Osten wechseln die Farben des Horizontes von Blau nach Orange und als gegen 7.00 Uhr der rote Sonnenball seinen großen Tagesauftritt genießt, können wir die Segel setzen und es beginnt die schönste und entspannteste Überfahrt, die man sich überhaupt denken kann. Alles passt: Der Kurs, der Wind, das Wetter, die kleine Welle. Wir können es gar nicht glauben, dass sämtliche vorhergesagte Wetterbedingungen stimmen. Schneeberge der Sierra Nevada winken uns beim Blick zurück. Zerklüftete, manchmal grüne Berggipfel und Felsformationen des Rif Gebirges bilden Stunden vor unserer Ankunft am dunstigen Horizont das afrikanische Begrüßungskomitee. Zwischendurch statten uns Delfine einen kurzen Besuch ab. Außer einer in größerer Zahl vorbeiziehender Dickschiffe und einiger Fischerboote gibt es wenig Verkehr. Mit Blick auf die Alboraninsel steuerbords in der Ferne packen wir das kleine Geschenk von Alex aus und sind gerührt von der Idee, uns ein Andenken, einen Glücksbringer, ein Schutzsymbol in Form des Indalo Man aus der Provinz Almeria mitzugeben. Dankend nehmen wir den kleinen Geist, der einen Regenbogen hält und in dieser Region stark verwurzelt ist, entgegen. Er soll uns vor Unwetter und dem „bösen Blick“ schützen.
Traumsegeln
So dahinzugleiten, bei 10 Knoten Wind und mit Halbwindkurs, ist traumhaft schön und hat etwas Kontemplatives. Hinzu kommt unerwartet starke Strömung, die uns lange Zeit einen Reiseknoten mehr als erwartet beschert. Unsere Geschwindigkeiten liegen zwischen 6 und 8 Knoten und wir gelangen schneller ans Ziel als erwartet. Bereits gegen 17.00 Uhr können wir die Leinen in der Marina Melilla übergeben.
Ankunft in Melilla
Der super freundliche Marinero winkt uns herzlich zur Begrüßung und wir finden schnell den für uns bestimmten Platz. Bei der Anmeldung im Büro erfahren wir, dass in Melilla die Einwohnerschaft zu 50 Prozent aus Spaniern und zu 50 Prozent aus Marokkanern besteht. Neugierig schnappen wir uns Informationsmaterial und freuen uns schon sehr auf unsere Erkundungstouren zwischen Europa und Afrika. Dabei beschäftigen uns die Fragen nach den Lebensbedingungen der Einwohner in einer Exklave, aber auch die unterschiedlichen Perspektiven der Einwohnerschaft und der Nachbarn. Kurz vor 19.00 Uhr werden wir vom Hafenmeister gefragt, ob wir Mariposa beim Anlegen helfen können. Er wolle gern zu seinem marokkanischen Freund eilen, um mit ihm den Beginn des Fastenbrechens zu feiern. Natürlich helfen wir gern. Sofort sind wir auch am Nachschlagen über Fastenbrechen, Ramadan etc. Es beginnt die Art der Erkundungstour, die wir besonders lieben: Das persönliche Kennenlernen von Land und Leuten durch Begegnungen verbunden mit selbst gemachten Erfahrungen. Die Spanier sind auch in Melilla entlang der Hafenpromenaden walkend unterwegs und uns fällt auf, dass sie uns beim Vorbeigehen alle freundlich grüßen, gerade so, als wäre man in einem kleinen Dorf angekommen.
Mariposa legt an
Als um 19.34 Uhr Mariposa in der Hafeneinfahrt ankommt, ist es bereits dunkel. So stehen wir mit einer roten Lampe winkend auf der Kaimauer. Der Marinero ist bereits vom Kurzbesuch bei seinem Freund zurückgekehrt und wir begrüßen uns alle fröhlich. Abends stoßen wir gemeinsam auf den gelungenen Saisonstart mit einem Gläschen Sekt aus Wismar an (Grüße an Dirk und Ines gehen raus).
10 Gründe, warum Spanier in Melilla leben sollten...
Ihr ahnt es schon: Uns interessieren immer besonders die Menschen...
Melilla aus Sicht Marokkos
Aus Sicht des Staates Marokko wird die Stadt als Überbleibsel des Kolonialismus betrachtet. Dennoch ist unbestritten, dass die Exklave eine zentrale wirtschaftliche Lebensader der angrenzenden Rif-Region darstellt. Sie dient als Handelsknotenpunkt, aber auch als Schauplatz für Schmuggel. Hinsichtlich der umstrittenen Migrationspolitik wird behauptet, dass Marokko quasi als „Türsteher“ Europas agiert. Migranten aus Subsahara-Afrika versuchen immer wieder, über Algerien und Marokko nach Melilla und von dort nach Spanien und in andere Länder der EU zu gelangen. Marokko fordert offiziell die Rückgabe der Exklaven Melilla und Ceuta. Die Grenze ist trotz der Spannungen für den „kleinen Grenzverkehr“ essenziell. Die Grenzanlagen führen zu heftigen Konflikten und Todesopfern, aber tausende Marokkaner überqueren täglich auch legal die Grenze, um in Spanien zu arbeiten. Da die Grenzregion um Melilla und Nador durch soziale und familiäre Bande eng verwoben ist, entsteht eine „brisante Mischung“ aus Vor- und Nachteilen des Zusammenlebens und des Umgangs der Nachbarn miteinander. Die Sichtweise ist also sehr ambivalent. Politisch wird die spanische Präsenz abgelehnt, wirtschaftlich und pragmatisch ist sie jedoch eng mit der marokkanischen Bevölkerung verzahnt.
Was macht der Anblick der Grenzanlagen mit uns?
Der Anblick der Grenzzäune in Melilla bedrückt uns schwer, gibt es doch eine ganze Reihe von Erfahrungen und Erinnerungen, die wir mit dieser Art der Grenzsicherung verbinden. Ungläubig fahren wir mit unseren Klapprädern an den doppelten, hohen Zäunen entlang. Gestern noch waren wir auf dem Meer sowohl in Europa als auch in Afrika unterwegs, ohne eine Grenze wahrzunehmen. Wir haben als Europäer das große Glück, uns nahezu überall frei bewegen zu dürfen und mit unserem Pass ausgestattet können wir meist ungehindert reisen. Dafür sind wir sehr dankbar. Später werden wir bei einem Marokkobesuch erleben, wie zwei Männer unter Lebensgefahr auf einen rasenden Lastwagen aufspringen. Es geht so rasant, dass wir es gar nicht fassen können. Sicherlich versuchen Menschen auch auf diese Art, die Grenze nach Europa zu überwinden. Wer sich in solche Gefahr begibt und dies vielleicht immer wieder tut, braucht schon ein gehöriges Maß an Leidensdruck und Perspektivlosigkeit, denken wir. Wir werden die Grenze tatsächlich mit unseren Klapprädern passieren und uns kurz in Marokko aufhalten, um die Lagune und das Meer zu sehen und beim Bäcker das unwiderstehliche Konfekt zu kaufen.
Die Geschichte: Grenzverkehr und Schmuggelware
Ich liebe marokkanisches Nusskonfekt, diese kleinen Würfel aus Honig, Nüssen und Blätterteig, so süß, dass man sie eigentlich mit einem Warnhinweis verkaufen müsste. In Melilla, dieser sagenumwitterten spanischen Exklave am Rand Afrikas hielt ich es irgendwann nicht mehr aus. Ich suchte auf dem Handy nach einer marokkanischen Patisserie im nächsten Dorf jenseits der Grenze – und wurde fündig.
Die Idee war klein genug, um harmlos zu wirken.
Ein paar Kilometer nur, hinüber nach Marokko, Nusspralinen kaufen, zurück am selben Tag. Eine Bewegung, kaum der Rede wert. Ein Ausflug, den man später in einem Nebensatz erwähnen würde.
Wir klappten unsere etwas rostigen und weitgereisten Falträder auseinander und fuhren zur Grenze.
Die Grenze aber dehnte die Zeit. Metallgitter, Stimmen, Schritte im Stillstand. Eine Stunde, vielleicht mehr. Die Luft stand zwischen den Zäunen, Abgase machten das Atmen schwer.
Und dann – ohne Übergang – war da Afrika.
Der Geruch kam zuerst. Rauch, trocken, ein Hauch von etwas Verbranntem, das sich in den Straßen hielt. Hunde streiften umher, lautloser als sie sein sollten. Menschen sahen uns an, nicht unfreundlich, aber aufmerksam. Als gehörten wir nicht ganz hierher. Was wir auch nicht taten.
Es war Ramadan. Die Läden geschlossen, die Rollläden halb gesenkt wie müde Lider.
Wir irrten ein wenig, bogen falsch ab, fragten nicht.
Dann fanden wir sie doch.
Die Bäckerei war offen.
Drinnen lag die Süße schwer in der Luft. Reihen von Gebäck, glänzend, sirupgetränkt, gefüllt mit Nüssen. Dinge, die man nicht nebenbei isst. Dinge, die eine Entscheidung verlangen.
Wir entschieden uns großzügig.
Zu großzügig vielleicht.
Eine Schachtel kam auf den Gepäckträger, der Rest verschwand in Taschen und Rucksack. Für später, dachten wir.
Am Wasser hielten wir an. Eine Lagune, flach und ruhig. Das Mobilfunknetz sprang zurück nach Spanien, als hätten wir nie wirklich Afrika betreten.
Nun frage ich Google eine Frage, die ich klugerweise vorher hätte stellen sollen: „Darf man marokkanische Süßigkeiten nach Spanien einführen?“
Die Antwort trifft mich wie ein Zollstempel auf die Stirn: NEIN. Tierische Inhaltsstoffe, strenge Kontrollen, Einfuhr verboten.
Ich starre auf den Bildschirm. „Wir sind Pralinenschmuggler“, sage ich.
Das Wort blieb eine Weile zwischen uns stehen.
Dann öffneten wir die Schachtel.
Wir probierten. Erst vorsichtig, dann entschlossener. Von jeder Sorte. Noch eine. Und noch eine.
Nicht aus Hunger. Eher aus einer Art Trotz.
Der Vorschlag, sie zu verschenken, kam kurz auf und verschwand ebenso schnell wieder. Ramadan. Außerdem – vielleicht, mit etwas Glück…
Wir verteilten die Pralinen neu. Taschen, Jacken, Rucksack. Ohne darüber zu sprechen.
An der Grenze fielen wir auf. Natürlich taten wir das.
Der Beamte sah uns an, sah die Räder, sah den Rucksack. Er schüttelte leicht den Kopf, als hätte er diese Szene schon zu oft gesehen. „Haben Sie etwas dabei?“
Ich schüttelte ebenfalls den Kopf. „Nur etwas zu essen.“
Ein Moment. Dann hob er die Hand. Weiter.
Auf der anderen Seite wartete ein anderer Blick. Kälter. Schwerer. Der spanische Beamte stand im Schatten, reglos, als gehöre er dorthin. Wir hielten exakt an der Linie. STOP.
Die Sekunden wurden wieder länger. Dann – eine Bewegung. Kaum mehr als ein Winken. Wir fuhren. Kein Wort. Keine Kontrolle. Nichts geschah.
Später, zurück in Melilla, teilten wir den Rest mit Freunden. Und aßen zum zweiten Mal an diesem Tag zu viele Pralinen. Als hätte es nie ein Verbot gegeben.
Weiter.
Auf der anderen Seite wartete ein anderer Blick. Kälter. Schwerer. Der spanische Beamte stand im Schatten, reglos, als gehöre er dorthin.
Wir hielten exakt an der Linie. STOP.
Die Sekunden wurden wieder länger.
Dann – eine Bewegung. Kaum mehr als ein Winken.
Wir fuhren.
Kein Wort. Keine Kontrolle.
Nichts geschah.
Später, zurück in Melilla, teilten wir den Rest mit Freunden.
Und aßen zum zweiten Mal an diesem Tag zu viele Pralinen.
Als hätte es nie ein Verbot gegeben.
Eine schaurige Verbindung zwischen Melilla und Dessau?
Der spanische Bürgerkrieg begann am 17. Juli 1936 von Melilla aus. Und jetzt kommt tatsächlich Dessau ins Spiel: Im August 1936 schickte Deutschland zwanzig Ju-52 Flugzeuge nach Spanien. Diese wurden von deutschen Freiwilligen geflogen und spielten eine Schlüsselrolle beim Transport von 10.000 Soldaten der Kolonialarmee aus Spanisch-Marokko auf das spanische Festland. Unsere Heimatstadt Dessau gilt als Geburtsort der Ju-52. Die Serienfertigung des bahnbrechenden Ganzmetallflugzeuges startete im Jahr 1932 im Junkers Hauptwerk in Dessau. 1933/34 war Hugo Junkers von den Nazis wegen „Hochverrats“ enteignet worden. Aus den Maschinen, die ihr Erfinder im Sinne der Völkerverständigung und Internationalität konzipiert hatte, wurden von da an Waffen. Der Ingenieur, Hochschullehrer und Unternehmer starb völlig verbittert bereits 1935. Wir sitzen lesend und staunend auf unserem Boot und betrachten drüben über der Stadt Passagierflugzeuge beim Starten und Landen...
Melilla im „Hier“ und „Jetzt“
Gemeinsam mit Frank, Heike und Käppi besuchen wir die Festungsstadt und entdecken in ihr und auf ihr Gebäude unterschiedlichster Bauepochen. Nette Ausblicke über die Festungsmauern und von einem Café in der Sonne verschönern uns den Ausflug. Ausgedehnte Spaziergänge und Radtouren sind enorm bereichernd, weil die alten Gebäude und farbenprächtigen Parkanlagen bezaubern. Die täglich mehrmals anlegenden Fähren transportieren in der Vorsaison noch keine riesigen Touristenströme, sodass die große Einkaufsstraße mit den üblichen weltweit agierenden Markenläden nahezu leer bleibt. Den Vorteil der „Steuerfreiheit“ der Exklave können wir beim Betrachten der Preise allerdings nirgends entdecken. Der Frühling bricht sich Bahn und bringt uns wunderschöne Blütenpracht. Spannend und faszinierend wird das Betreten des marokkanischen Stadtteils, hier verschmelzen dann auch europäisch geprägte Architektur und Symbolik der Marokkaner. Ganz besonders schön werden die erleuchteten Straßen dann nachts, wenn man überall „Weihnachtsschmuck“ mit „Feliz Ramadan“ zu sehen bekommt. Das ist ja nun einmal etwas ganz Besonderes für uns. Die Marina ist sehr in Ordnung und dazu noch kostengünstig, nebenan liegt die „Mariposa“. Prinzessin Käppi residiert des Öfteren bei uns an Bord, was uns sehr viel Freude bereitet. Thomas und Frank setzen ein paar Bastel- und Reparaturprojekte gemeinsam um. Das Leben ist entspannt und schön. Deswegen fällt es uns auch richtig schwer, wieder unsere Leinen zu lösen und uns zu verabschieden. Nach Ceuta werden wir allein weiter segeln. So ist das Seglerleben. Aber, wer weiß, vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen?
Ruppige Überfahrt mit Hindernissen
1. März, 13.00 Uhr. Leinen los! Auf zur zweiten spanischen Exklave, nach Ceuta! Wir erwarten eine Segelreise über Nacht und hoffen, mit dem angekündigten Wind gut voran zu kommen. Schon bei der Ausfahrt ahnen wir, dass diese Tour wohl etwas ruppiger verlaufen wird. Das Meer ist aufgewühlt und bietet uns eine Art Kreuzsee, die Frodo ordentlich ins Schaukeln bringt. Auch als wir später am Kap vorbei einen neuen Reisekurs planmäßig aufnehmen, verspricht die See eine Weiterreise mit heftiger Ruppigkeit. Leider erwischt es Thomas. Er wird seekrank. Und zwar heftig. Zum Glück geht es mir einigermaßen gut und alle Bootssysteme funktionieren und machen, was sie sollen. Tapfer übernimmt der Skipper trotzdem seine Steuerzeiten. Das ist nachts auch deshalb noch schwieriger, weil auf dem Meer etliche ominöse Schiffsbewegungen zu verzeichnen sind, die nicht durch AIS-Signale begleitet werden. So quälen wir uns an der afrikanischen Küste entlang nach Ceuta und sind heilfroh, dass wir in der Marina am 2. März gegen 16.00 Uhr wohlbehalten ankommen.
Ceuta, die Stadt der „Sieben Brüder“
Die Griechen gaben der Stadt den Namen aufgrund der sieben Hügel, die sie umgeben. Als strategisch günstiger Ort zur „Beobachtung“ der Straße von Gibraltar war die an einer wunderschönen Bucht gelegene Festungsstadt immer schon heiß geliebt und umkämpft. Seit dem Altertum regierten in verschiedenen Zeitabschnitten Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Westgoten, Araber, Portugiesen und Spanier. Heute finden wir in der spanischen Exklave ähnliche Verhältnisse und Bedingungen vor wie in Melilla. Ceuta ist in der griechischen Mythologie eng mit Herkules verbunden, da der Monte Hacho in Ceuta als eine der zwei legendären Säulen des Herkules gilt. Der Sage nach trennte Herkules hier Europa von Afrika, um das Mittelmeer mit dem Atlantik zu verbinden.
Erkundungstouren in Ceuta
In Ceuta stehen zunächst an jeder Ecke der Hafenstraße bewaffnete Soldaten, die irgendwie gar nicht in das so friedliche Bild der Hafenstadt passen. Wir laufen an wunderbar bepflanzten Rabatten vorbei, betrachten das Casino, die alten arabischen Bäder und das riesige Freizeitbad, vom Künstler Manrique entworfen, welches gerade für die neue Saison fit gemacht wird. Im Sommer wird es hier in jeder Hinsicht „heiß hergehen“. Bei der Einkehr in ein winziges Hafencafé werden wir sehr freundlich empfangen, so, als würden wir irgendwie dazu gehören. Unser Wanderweg führt uns den Hausberg hinauf, der blütenübersät schöne Aussichten verspricht. Es ist windig und kalt. Die große Bucht lädt zwar zum Ankern ein, ist aber bei diesem Wetter nicht ruhig und sicher genug. Wir erhaschen einen Blick auf die gelben Universitätsgebäude und sehen bei den hohen Betonbauten am Bergrand etwas ungläubig Balkons ohne Geländer. Die Aussparungen werden mit angeschraubten Metallgittern gesichert. Das wirkt auf uns besorgniserregend unsicher. Wieder auf der hohen Mauer entlang der Steilküste entdecken wir, dass es in Ceuta im Gegensatz zu Melilla keine klaren Trennungen der einzelnen Stadtteile voneinander zu geben scheint. Erstaunt sehen wir auch eine Reihe von Behausungen, die direkt an die windige Steilwand gezimmert wurden. Wie mag es sich anfühlen, über diesem Abgrund zu leben? Klar, dass Ceuta mit Festungsmauern und Festungsgebäuden reichlich ausgestattet ist. Das Besondere: Man kann bei entsprechender Strömung durch einen Kanal zwischen hohen Festungsmauern von einer Strandseite mit kleinen Booten auf die andere Seite der Stadt wechseln. In der Innenstadt gibt es modern ausgestaltete Einkaufsstraßen, viele Gebäude verschiedener Glaubensrichtungen, wieder Jugendstil, manches gepflegt, etliches pflegebedürftig. Wir warten auf ein günstiges Wetterfenster, um nach Gibraltar überzusetzen. Es kommt zeitnah und wir nutzen es. So schließt sich der Kreis zwischen Spanien und Afrika.